Arbeitspädagoge

Maulwurf mit Schaufel

  • Durchführung von Gruppen und Einzelprojekten
  • Heranführung an handwerkliches Arbeiten
  • Förderung von Berufseignung
  • Einleitung und Durchführung von berufsorientierenden Angeboten
  • Enge Vernetzung mit Schulen, Ausbildungsbetrieben und der Bundesagentur für Arbeit
  • Enge Kooperation mit besonders betreuten Ausbildungsangeboten

Ein Mann für alle Fälle

Thomas Schneider ist mehr als nur „der Arbeitspädagoge“ bei Dialog. „Sie kommen manchmal auch mit ihren Problemen und Fragen lieber zu mir. Neulich wollte ein Junge wissen, welchen Rasierschaum er am besten verwenden kann“, sagt der 50-Jährige schmunzelnd.

Schneider legt bei der Arbeit viel Wert auf Genauigkeit und Sorgfalt. Das scheint sich auch auf die Mädchen und Jungen aus den Wohngruppen zu übertragen. „Oft bekommen sie nach einem Praktikum die Rückmeldung, dass sie schon sehr selbstständig arbeiten können. Das freut uns natürlich“, so der Arbeitspädagoge. „Wir arbeiten angelehnt an das reale Arbeitsleben. Die Kinder und Jugendlichen sollen mit kleinen Schritten groß werden und lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. Die Schule ist dabei das A und O, sie sollen erstmal einen Abschluss machen.“

Seit mehr als vier Jahren ist er für die Dialog gGmbH tätig. Immer wieder seien pfiffige Mädchen und Jungen dabei, wobei die Jungen mehr Interesse zeigen. Wenn sie 14 Jahre alt sind, wird ihnen nahegelegt, einmal pro Woche mit Thomas Schneider zu arbeiten. Erst einmal habe er es erlebt, dass ein Junge sich komplett geweigert hat, mit ihm zu arbeiten. Fahrräder oder Türen werden repariert, es wird gebohrt, geschmirgelt oder geschraubt. „Alle Projekte sind gut, weil sie von der Aufgabenstellung her unterschiedlich und vielfältig sind“, betont er. Die Kinder und Jugendlichen lernen alle Arbeitsschritte kennen: Planung, Logistik (z.B. welche Schrauben besorgt werden müssen) und Fertigstellung.

Thomas Schneider bei der Arbeit

Manche Projekte nehmen viel Zeit in Anspruch. Die Sanierung des Warteraums im Fachwerkhaus etwa habe vier Monate gedauert. Vom Abreißen der Tapeten über Fußbodendämmung verlegen bis zum Reinigen und Versiegeln der Eichenbalken musste alles gemacht werden. Geholfen haben ihm die Jugendlichen ab 14 Jahren aus den Wohngruppen. Zurzeit nimmt der ehemalige Bauwagen im Garten der Mädchen-Wohngruppe viel Zeit in Anspruch. Im Oktober wird der „Partyraum“ wohl fertig sein. „Hier haben wir von der Sanierung des Fahrgestells bis zum Abdichten des Dachs alle Arbeiten übernommen. Blechwände wurden zum Beispiel neu befestigt und verschraubt, das Fahrgestell entrostet und gestrichen. Die Wände sind neu gedämmt und mit Profilholz verkleidet worden, auch der Fußbodenaufbau ist komplett neu.“ Weitere Projekte waren unter anderem Hochbeete für die Wohngruppen Ulmenhof und Wimmer, Zäune für die Mädchen- und Jungen-Wohngruppen in Wittlage sowie ein Parkplatz für die Pädagogen.

Mit freiwilligen Stunden können sich die Jugendlichen zudem Gutscheine verdienen, zum Beispiel von Elektromärkten. Ein Anreiz, der vor allem in den Sommerferien dafür gesorgt hat, dass Thomas Schneider täglich tatkräftige Unterstützung hatte. „Das Konzept gilt selbstverständlich unter Berücksichtigung des Jugendarbeitsschutzgesetzes“, stellt er klar. Auch vor diesem Gespräch weist er einen Jungen noch schnell ein. Bei ihm fallen einige Schulstunden aus, er hilft freiwillig beim Tapetenabkratzen mit.

Wenn mehrere Jungen gleichzeitig an einem Projekt arbeiten, dann setzt er die älteren auch als Aufsichtspersonen und Arbeitsanleiter ein. „Ich sage den Jungen aber nicht nur, was sie machen sollen. Ich arbeite auch mit und möchte ein gutes Beispiel abgeben“, sagt Schneider. Er sei schon immer kreativ gewesen und habe den Drang gehabt, arbeiten zu wollen.

Bei seiner Arbeit für die Dialog gGmbH kommt ihm seine berufliche Vergangenheit zugute. Nach seiner ersten Ausbildung zum Maschinenschlosser verschlug es ihn für einige Jahre zur Bundeswehr. Später folgte eine zweite Ausbildung zum Bauklempner. Er orientierte sich aber noch einmal um und absolvierte mehrere Praktika in Behindertenwerkstätten, es folgte unter anderem eine Weiterbildung im Bereich der Behindertenpädagogik.

An Arbeit für die Kids mangelt es Schneider auch in Zukunft nicht, „wir haben Aufträge ohne Ende“. Und die Jungen werden sicherlich auch weitere Fragen haben, nicht nur zum Rasierschaum.